„HEPA“ steht auf sehr vielen Staubsaugern und auf noch mehr Ersatzfiltern. Eine geprüfte Filterklasse steht auf deutlich weniger davon. Dabei ist die Sache in der Norm eindeutig geregelt: DIN EN 1822-1 kennt EPA-, HEPA- und ULPA-Filter, und HEPA beginnt erst bei H13. Dieser Ratgeber legt die vollständige Klassentabelle offen, zeigt am direkten Herstellervergleich, wie unterschiedlich präzise das Wort verwendet wird, und nennt die eine Angabe, auf die Sie beim Kauf tatsächlich achten sollten.
- Maßgeblich ist DIN EN 1822-1:2019-10 (die Fassung 2011-01 ist zurückgezogen). Geprüft wird beim MPPS, der am schwersten zurückzuhaltenden Partikelgröße (typisch 0,1–0,3 µm) – also bewusst im ungünstigsten Fall.
- E10, E11 und E12 sind laut Norm EPA-Filter, kein HEPA. HEPA umfasst ausschließlich H13 (≥ 99,95 %) und H14 (≥ 99,995 %).
- Der Herstellervergleich zeigt die Spannbreite: Miele nennt Klasse, Norm, Normjahr und Prozentwert. Bosch nennt beim „HEPA Hygienefilter“ BBZ153HF auf der Produktseite weder Klasse noch Abscheidegrad noch Norm – bei gleichzeitiger Allergiker-Empfehlung. AEG verkauft mit dem EFH12 die Klasse E12 unter dem Namen „Hygienefilter“.
- Stiftung Warentest schrieb am 25.04.2013 wörtlich: „Eine Garantie für ein gutes Staubrückhaltevermögen ist ein Hepa-Abluftfilter nicht.“
- Die brauchbare Kaufregel: nicht auf das Wort achten, sondern auf die Klassenangabe H13 oder H14 mit Normbezug. Fehlt sie, ist über die Leistung nichts gesagt.
Wie eine vollständige Angabe aussieht, zeigt Miele – dort steht am Produkt, was in der Norm steht:
Materialnummern: SF-HA 50 = 9616280, SF-HA 50-1 = 12785390, SF-HA 60 = 11639210. Miele gibt „HEPA Klasse 13 nach DIN EN 1822/2019″ an – Klasse, Norm und Normjahr, also genau die Angabe, nach der Sie suchen sollten. Für SF-HA 50-1 nennt Miele 34,90 € (Stand 22.08.2026), das günstigste Drittangebot lag bei 29,00 €. Der weiße Filter ist Teil der Miele-Farbcodierung.
Was HEPA laut Norm bedeutet – die vollständige Tabelle
Der Begriff HEPA ist keine Marke und kein Werbewort, sondern eine Klassenbezeichnung aus einer europäischen Norm. Maßgeblich ist DIN EN 1822-1 in der Fassung vom Oktober 2019; die vorherige Ausgabe von Januar 2011 ist zurückgezogen. Die Norm sortiert Schwebstofffilter in drei Gruppen mit sieben beziehungsweise mehreren Klassen:
| Klasse | Gruppe | Abscheidegrad integral | lokal |
|---|---|---|---|
| E10 | EPA | ≥ 85 % | — |
| E11 | EPA | ≥ 95 % | — |
| E12 | EPA | ≥ 99,5 % | — |
| H13 | HEPA | ≥ 99,95 % | ≥ 99,75 % |
| H14 | HEPA | ≥ 99,995 % | ≥ 99,975 % |
| U15 bis U17 | ULPA | ≥ 99,9995 % und darüber | … |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle sofort auf. Erstens: E10, E11 und E12 gehören zur Gruppe EPA – sie sind nach der Norm ausdrücklich kein HEPA. Wer einen E12-Filter kauft, kauft einen guten Filter, aber keinen HEPA-Filter. Zweitens: Zwischen E12 und H13 liegt nicht nur ein Buchstabe. Von „≥ 99,5 %“ auf „≥ 99,95 %“ bedeutet, dass der Reststaubdurchlass um den Faktor zehn sinkt – von einem halben Prozent auf ein Zwanzigstel Prozent. Und ab H13 kommt eine zweite Anforderung hinzu, der lokale Abscheidegrad: Der Filter darf nicht nur im Mittel dicht sein, er darf auch keine Schwachstelle haben.
Ebenso wichtig ist, womit geprüft wird. Die Norm misst beim MPPS, der Most Penetrating Particle Size – jener Partikelgröße, die ein Filtermedium am leichtesten passiert und die typischerweise zwischen 0,1 und 0,3 µm liegt. Das ist eine bewusste Entscheidung für den ungünstigsten Fall: Größere und kleinere Partikel werden besser zurückgehalten. Bei Pollen oder Hausstaubfasern arbeitet ein klassifizierter Filter also besser, als seine Klassenangabe suggeriert. Dieselbe Norm gilt beim Roboter: HEPA-Filter beim Saugroboter.
Der Herstellervergleich – dieselbe Bezeichnung, drei Informationsniveaus
Wie beliebig das Wort im Staubsaugerregal verwendet wird, zeigt sich am besten nebeneinander. Alle drei Angaben stammen von den Herstellern selbst, Stand 22.08.2026:
| Produkt | Klassenangabe | Abscheidegrad |
|---|---|---|
| Miele HEPA AirClean SF-HA 50-1 / SF-HA 60 | „HEPA Klasse 13 nach DIN EN 1822/2019″ | „99,95 % aller Viren, Keime und Partikel“ |
| Bosch „HEPA Hygienefilter“ BBZ153HF | keine | keine – bei gleichzeitiger Allergiker-Empfehlung |
| AEG Hygienefilter EFH12 | „E12″ – nach Norm EPA, nicht HEPA | „99,5 % der Partikel bis 0,06 Mikrometer“ |
Drei Zeilen, drei völlig verschiedene Auskunftsniveaus. Miele nennt alles, was man braucht: Klasse, Norm, Normjahr, Prozentwert. AEG ist ehrlich in der Sache – die Klasse E12 steht am Produkt, und der Name „Hygienefilter“ behauptet gar kein HEPA. Bosch nennt das Produkt „HEPA Hygienefilter“, liefert auf der Produktseite aber weder eine Klasse noch einen Abscheidegrad noch einen Normbezug – und empfiehlt es gleichzeitig für Allergiker. Damit ist nicht gesagt, dass der Filter schlecht wäre. Gesagt ist: Über seine Leistung liegt dem Käufer an der Stelle, an der er entscheidet, keine überprüfbare Angabe vor.
Bosch nennt auf der Produktseite des BBZ153HF weder Filterklasse noch Abscheidegrad noch Norm – und auch kein Wechselintervall und keine Angabe zur Waschbarkeit. Die Jahresangabe für den Wechsel („jährlich zu wechseln“, Nr. 17004779) steht in der Geräteanleitung des BGL6XSIL3, also nicht dort, wo der Kunde das Ersatzteil kauft. Wer nur die Produktseite liest, erfährt über das Bauteil praktisch nichts Prüfbares.
Und die Miele-Angabe verdient eine eigene Einordnung, weil sie in einem Punkt über die Norm hinausgeht. Der Prozentwert stimmt: 99,95 % entspricht korrekt der Klasse H13. Die Formulierung „aller Viren, Keime und Partikel“ beschreibt jedoch mehr, als EN 1822 überhaupt misst. Die Norm prüft die Abscheidung von Partikeln beim MPPS – keine Mikroorganismen, keine Virenlast, keine mikrobiologische Wirksamkeit. Ein Prüfnachweis für „Viren und Keime“ ist die Klassenangabe damit nicht.
Was die Stiftung Warentest dazu festgestellt hat
Der wichtigste Satz zum Thema stammt nicht von einem Hersteller. Die Stiftung Warentest schrieb am 25.04.2013 wörtlich:
„Eine Garantie für ein gutes Staubrückhaltevermögen ist ein Hepa-Abluftfilter nicht.“ Und weiter: „Neben der Filterqualität hängt das Staubrückhaltevermögen auch von der Gerätekonstruktion ab.“
Belegt wurde das im selben Test durch zwei Geräte: Ein Vorwerk ohne HEPA-Filter erhielt beim Staubrückhaltevermögen die Note „sehr gut“, ein Panasonic mit HEPA-Filter nur „befriedigend“. Der Grund liegt auf der Hand: Ein Staubsauger ist kein Filter, sondern ein Gehäuse mit einem Filter darin. Wenn Luft an Dichtungen, Deckelspalten oder am Filterrahmen vorbeiströmt, statt durch das Medium zu gehen, nützt die beste Klasse nichts. Die Filterklasse beschreibt das Medium – die Praxisleistung beschreibt das Gerät. Welche Filterstufen es überhaupt gibt, steht in Staubsauger-Filterarten im Überblick. Der Test ist von 2013 und damit alt; ein neuerer Befund, der die Aussage widerlegt, liegt uns aber nicht vor.
Artikelnummer 1130939018, Vorgänger 1130939034. AEG gibt die Klasse „E12″ und „99,5 % der Partikel bis 0,06 Mikrometer“ an – nach Norm ein EPA-Filter, kein HEPA, und genau so heißt er auch nicht. Preis 19,87 € statt regulär 26,49 € (Stand 22.08.2026). AEG empfiehlt, „alle Filter mindestens zweimal im Jahr oder bei sichtbarer Verschmutzung zu wechseln“.
Original oder Nachbau – warum wir hier keine Zahl nennen
Beim Beutel gibt es einen Prüfinstitutstest, an dem man sich orientieren kann. Beim Filter nicht. Das ist der wichtigste Unterschied, und er wird in Ratgebern regelmäßig übergangen:
| Kriterium | Originalfilter | Nachbaufilter |
|---|---|---|
| Unabhängiger Vergleichstest | existiert nicht | existiert nicht – kein Prüfinstitut hat Original- gegen Nachbaufilter verglichen |
| Übertragbarkeit der Beuteltests | — | nicht zulässig: test 7/2016 und Konsument 8/2016 betrafen ausschließlich Beutel |
| Belegte Preise (22.08.2026) | Miele SF-HA 50-1: 34,90 € · Bosch BBZ153HF: 17,99 € · AEG EFH12: 19,87 € | keine belegte Angabe |
| Ersparnis | — | wir nennen keine Prozentzahl, weil keine belastbaren Nachbaupreise vorliegen |
| Klassenangabe | bei Miele und AEG vorhanden, bei Bosch nicht | im Handel oft „HEPA“ ohne Klasse – dieselbe Prüffrage stellt sich verschärft |
Das Prüfkriterium bleibt in beiden Spalten dasselbe: Steht eine Klasse mit Normbezug dabei? Der Markenname ersetzt die Deklaration nicht – und die Deklaration ersetzt nicht die Passform, denn ein Filter, der im Rahmen nicht dicht sitzt, wird umströmt statt durchströmt.
In der Praxis: worauf Sie beim Kauf achten
- Suchen Sie die Klasse, nicht das Wort. „HEPA“ allein ist keine Angabe. „H13 nach DIN EN 1822″ ist eine.
- Prüfen Sie den Normbezug. Aktuell ist DIN EN 1822-1:2019-10. Steht eine ältere Fassung oder gar keine dabei, fragen Sie beim Händler nach – oder rechnen Sie damit, dass die Angabe nicht belastbar ist.
- Misstrauen Sie Klassen, die es nicht gibt. In der aktuellen Norm existieren E10, E11, E12, H13, H14 und U15 bis U17. Alles andere ist keine Klasse dieser Norm.
- Vergleichen Sie Prozentwerte nicht quer über Marken. Herstellerangaben zur Filterleistung beruhen auf unterschiedlichen, meist nicht offengelegten Messverfahren. AEGs „99,5 % bis 0,06 Mikrometer“ und Mieles „99,95 %“ stehen nebeneinander, aber nicht auf derselben Skala.
- Denken Sie an die Waschbarkeit, bevor Sie den Filter unter den Hahn halten. Bosch schreibt „Ihr HEPA-Filter ist generell waschbar“, Philips zum eigenen Filter dagegen: „Er kann nicht gewaschen werden.“ Was gilt, steht ausschließlich in der Anleitung zum eigenen Modell.
Häufige Fragen
Ist ein E12-Filter ein HEPA-Filter?
Nein. Nach DIN EN 1822-1 gehört E12 zur Gruppe EPA mit einem integralen Abscheidegrad von mindestens 99,5 %. HEPA beginnt bei H13 mit mindestens 99,95 % integral und zusätzlich 99,75 % lokal. AEG bezeichnet den EFH12 folgerichtig als „Hygienefilter“ und nicht als HEPA-Filter.
Bringt ein HEPA-Filter für Allergiker etwas?
Die Datenlage ist zurückhaltender, als die Werbung nahelegt. Allum, die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V., schreibt in ihrer am 13.01.2024 aktualisierten Darstellung: „Zwar hielten die Filter unter Laborbedingungen einen Großteil der Allergene zurück. Im Praxistest gaben die Staubsauger mit HEPA-Filter fast so viele Allergene ab wie Staubsauger ohne Spezialfilter.“ Und weiter: „Ein Staubsauger eignet sich nicht zur Sanierung von Teppichböden oder Polstermöbeln.“ Der Cochrane-Review 2021 (CD001563) hält fest: „Trials to date have on the whole been small and of poor methodological quality, making it difficult to offer any definitive recommendations…“ Was zum Thema belegt ist und was nicht, ordnen wir in Staubsauger für Allergiker ein.
Warum verspricht Miele 99,95 % „aller Viren, Keime und Partikel“?
Der Prozentwert entspricht korrekt der Klasse H13. Die Ausweitung auf Viren und Keime geht allerdings über das hinaus, was EN 1822 misst: Die Norm prüft Partikelabscheidung beim MPPS, keine Mikroorganismen. Der Zahlenwert ist normkonform, die Beschreibung dessen, was abgeschieden wird, ist es nicht im selben Maß.
Erkenne ich am HEPA-Filter, wie sauber die Abluft wirklich ist?
Nur zum Teil. Die Stiftung Warentest hat am 25.04.2013 festgehalten, dass das Staubrückhaltevermögen „auch von der Gerätekonstruktion“ abhängt – im selben Test lag ein Gerät ohne HEPA-Filter bei „sehr gut“, eines mit HEPA-Filter bei „befriedigend“. Die Klasse beschreibt das Filtermedium, nicht die Dichtheit des ganzen Geräts.
Fazit
Die Norm ist klar, der Markt ist es nicht. DIN EN 1822-1:2019-10 definiert E10 bis E12 als EPA und nur H13 und H14 als HEPA, gemessen beim ungünstigsten Partikeldurchmesser. Auf der Verpackung bedeutet „HEPA“ dagegen alles zwischen einer vollständigen Deklaration mit Klasse, Norm und Normjahr (Miele), einem korrekt als E12 ausgewiesenen EPA-Filter unter dem Namen „Hygienefilter“ (AEG) und einem „HEPA Hygienefilter“ ganz ohne Klassen- und Normangabe (Bosch).
Daraus folgt eine Kaufregel, die sich in einem Satz merken lässt: Achten Sie nicht auf das Wort HEPA, sondern auf die Klassenangabe H13 oder H14 mit Bezug auf DIN EN 1822. Steht sie da, wissen Sie, was Sie bekommen. Steht sie nicht da, wissen Sie es nicht – und der Satz der Stiftung Warentest von 2013 gilt sowieso weiter: Eine Garantie für gutes Staubrückhaltevermögen ist ein HEPA-Abluftfilter nicht.
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