Neben dem Originaltyp Ihres Geräteherstellers und den Fremdmarken wie Swirl gibt es eine vierte Ebene der Typenbezeichnungen, die im Regal von REWE, Rossmann, dm oder EDEKA anfängt: die Handelseigenmarken. Sie tragen eigene Codes – V01, R020, PR30, E06 – und genau das macht sie unübersichtlich, denn dieselbe Beutelgröße heißt in jeder Kette anders. Dieser Artikel zeigt anhand des belegten VIVESS-Typenfinders, wie sich diese Codes ineinander übersetzen lassen, wie Sie von Ihrem Originaltyp zur Drogerieentsprechung kommen und was der einzige verfügbare Beuteltest über Handelsmarken hergibt – und was nicht.
- Handelseigenmarken sind die vierte Typenebene neben Originaltyp (Miele FJM), Fremdmarken-Typ (Swirl S 67) und Systemstandard (s-bag). Ihre Codes gelten nur innerhalb der jeweiligen Kette.
- Der VIVESS-Typenfinder von REWE ist die belegteste Übersetzungshilfe. Er ordnet jedem seiner sechs Typen V01 bis V06 die Entsprechungen bei Swirl, EDEKA, Rossmann und dm zu – wörtlich in Fußnoten.
- Beispiel V01: „Entspricht S62+67 von Swirl, E06 von EDEKA, R020 von Rossmann, PR30 von DM“.
- Der Weg führt immer über den Originaltyp. Erst Gerät, dann Originaltyp, dann Swirl-Code – und über den Swirl-Code finden Sie die Handelsmarke.
- Der einzige Beuteltest ist zehn Jahre alt. Stiftung Warentest kaufte die Beutel für test 7/2016 im Dezember 2015 ein. Einen neueren gibt es nach dieser Recherche nicht.
Wer keine Lust auf Code-Übersetzung hat, greift zur bekanntesten Fremdmarke – sie ist in fast jeder Kompatibilitätsliste als Referenz hinterlegt:
Der Swirl-Code ist die Drehscheibe zwischen den Ebenen: Der VIVESS-Typenfinder nennt für seinen Typ V01 ausdrücklich „S62+67 von Swirl“. Wer den passenden Swirl-Code kennt, findet damit auch die Entsprechung bei Rossmann, dm und EDEKA. Swirl war einer der drei geprüften Anbieter, deren Beutel Stiftung Warentest in test 7/2016 als „oft genauso gut“ wie Originale einordnete.
Worum es geht: die vierte Ebene
Die Typenlandschaft bei Staubsaugerbeuteln hat vier Ebenen, und sie werden regelmäßig verwechselt. Ganz oben steht der Originaltyp des Geräteherstellers – Miele FJM, Bosch Typ G ALL. Darunter der Fremdmarken-Typ eines spezialisierten Beutelherstellers, etwa Swirl M 50 oder Swirl S 67. Quer dazu liegt der Systemstandard s-bag, der markenübergreifend funktioniert. Und die vierte Ebene sind die Handelseigenmarken: VIVESS V01 bei REWE, R020 bei Rossmann, PR30 bei dm, E06 bei EDEKA.
Der praktische Unterschied: Die ersten drei Ebenen finden Sie in Herstellerdokumenten. Die vierte finden Sie nur im Sortiment einer einzigen Kette – wechseln Sie den Laden, gilt der Code nicht mehr. Genau deshalb brauchen Sie eine Übersetzungstabelle, und genau deshalb ist der VIVESS-Typenfinder so nützlich: Er ist eines der wenigen Dokumente, das die Ebenen ausdrücklich verknüpft. Wie die Ebenen insgesamt zusammenhängen, steht im Grundlagenartikel dazu, wie Sie den richtigen Staubsaugerbeutel finden.
Der VIVESS-Typenfinder: V01 bis V06 und ihre Entsprechungen
REWE stellt für seine Eigenmarke VIVESS einen Typenfinder als PDF bereit. Er listet sechs Beuteltypen und nennt zu jedem in einer Fußnote die Entsprechungen bei Swirl, EDEKA, Rossmann und dm. Die Fußnote zu V01 lautet wörtlich:
„Entspricht S62+67 von Swirl, E06 von EDEKA, R020 von Rossmann, PR30 von DM“
Die übrigen fünf Typen sind im selben Dokument nach demselben Muster ausgewiesen. Die folgende Tabelle fasst die Angaben des Typenfinders zusammen; die Spalte „Zielgeräte“ ergibt sich aus der Zuordnung des jeweiligen Swirl-Codes, wie sie in den ausgewerteten Kompatibilitätslisten belegt ist.
| VIVESS | Entsprechungen laut Typenfinder | Zielgeräte über den Swirl-Code |
|---|---|---|
| V01 | Swirl S62+67 · EDEKA E06 · Rossmann R020 · dm PR30 | Bosch/Siemens: S 67 = Typ G, G Plus, GXL; S 62 = D/E/F/GXXL |
| V02 | Swirl PH86 · EDEKA E05 · Rossmann R040 · dm PR50 | Philips; PH 86 ist s-bag-kompatibel |
| V03 | Swirl M40 · EDEKA E03 · Rossmann R080 · dm PR20 | Miele Typ G/H/N/U |
| V04 | Swirl A07 · EDEKA E01 · Rossmann R030 · dm PR40 | AEG Größe 28; Electrolux E 53/55/150/160/180/185/190/200 |
| V05 | Swirl EIO80 · EDEKA E02 · Rossmann R050 (kein dm-Code genannt) | keine belegte Gerätezuordnung in unseren Quellen |
| V06 | Swirl M50 · EDEKA E04 · Rossmann R010 · dm PR10 | Miele FJM (4 l) |
Quelle der zweiten Spalte: Typenfinder Staubsaugerbeutel der REWE-Eigenmarke VIVESS (rewe.de, PDF, abgerufen 22.08.2026).
Die Äquivalenztabelle stammt von einem Händler, nicht von den Geräteherstellern. Weder Miele noch Bosch, Siemens, AEG oder Philips bestätigen irgendwo, dass ein VIVESS-, Rossmann- oder dm-Beutel ihrem Originaltyp entspricht – die Zuordnung ist eine Aussage des Handels über eigene Ware. Zweitens: Zum Material sagen die Ketten nichts Vergleichbares. Für keine der genannten Eigenmarken ist eine Angabe zu Vlies oder Papier, zu Filterleistung oder zur Halteplatte in einer Primärquelle auffindbar, während Hersteller wie Miele oder AEG solche Angaben machen. Drittens fällt eine Lücke im Typenfinder selbst auf: Bei V05 nennt REWE keinen dm-Code, während alle anderen fünf Typen einen haben. Ob dm diese Größe nicht führt oder die Angabe schlicht fehlt, steht nicht dabei.
Was Hersteller, Handel und Tester sagen
Die Gerätehersteller äußern sich zu Handelsmarken nicht namentlich, wohl aber zu Fremdbeuteln allgemein – und zwar unterschiedlich scharf. Miele: „Verwenden Sie nur Staubbeutel, Filter und Zubehör mit dem ‚Original Miele‘-Logo.“ AEG und Electrolux bleiben bei einer Leistungsaussage: „Der Einsatz nicht originaler Staubsaugerbeutel statt der s-bag® Beutel kann sich negativ auf die Leistung des Staubsaugers auswirken.“ Bosch bindet seine Klausel an eine Ursache: „Der Garantieanspruch erlischt, wenn … unsere Geräte mit Ersatzteilen … versehen werden, die keine Originalteile sind und dadurch ein Defekt verursacht wird.“
Zur Qualität von Nachbaubeuteln existiert genau eine belastbare Untersuchung: Stiftung Warentest, test 7/2016. Geprüft wurden 22 Beutel, davon 3 Originale und 19 Fremdbeutel, eingekauft im Dezember 2015, in Anlehnung an EN 60312-1 und mit je einem Referenzgerät von AEG, Bosch und Miele. Das Gesamturteil auf test.de lautet wörtlich: „Fremdbeutel von Swirl und Co. sind oft genauso gut wie die teuren Originalbeutel des Staubsaugerherstellers.“ Im selben Test heißt es aber auch: „Einige der geprüften Filtertüten waren undicht, eine platzte sogar auf.“
Und die Handelsmarken? In der Produktliste des Tests auf test.de taucht mit Rossmann / Flink & Sauber genau eine Drogerie-Eigenmarke auf, dort mit den Typen R 040 und R 080. Nach dem VIVESS-Typenfinder entsprechen diese beiden den Typen V02 und V03 – also der Philips-Größe und der Miele-Größe G/H/N/U. Die weiteren im Test genannten Anbieter sind Disba, McFilter, Menalux, Staubbeutel-Profi, Swirl und Wolf.
Bei den namentlichen Beanstandungen taucht die Rossmann-Eigenmarke nicht auf: Der österreichische Konsument beanstandete in Ausgabe 8/2016 auf derselben Testbasis Staubbeutel-Profi (im AEG) als undicht, Disba (im Bosch) als mangelhaft abgedichtet und Wolf (im AEG) mit einem Nahtriss. Sein Gesamtfazit fiel dabei deutlich strenger aus als das von test.de: „Mehr als jeder dritte Nachbau hält nicht so viel Staub zurück wie der Originalbeutel.“ und „Viele können jedoch weniger Staub aufnehmen, bevor die Saugkraft merklich nachlässt.“ Beide Zusammenfassungen beziehen sich auf denselben Einkauf – wir geben beide wieder, statt sie zu glätten.
Zwei Dinge lassen sich daraus nicht ableiten. Erstens: Einzelurteile zu bestimmten Handelsmarken sind nicht Teil unserer belegten Grundlage, wir geben deshalb keine Noten wieder. Zweitens: Eine dm-Eigenmarke ist in der Produktliste des Tests nicht enthalten – wer eine Testaussage zu dm-Beuteln liest, sollte nach der Quelle fragen. Zur allgemeinen Abwägung zwischen Original und Nachbau siehe unsere Analyse zu Original- und Nachbauteilen bei Saugrobotern.
Wer die Handelsmarke nicht im Laden findet, hat online die Vorratspackung als dritten Weg:
Das Gegenstück zur Drogerieware: Für Miele FJM lag der Originalpreis am 22.08.2026 bei 3,99 €/Stück, ein kompatibler 20er-Pack bei 19,78 € – rund 0,99 €/Stück. Achten Sie auf die Halteplatte: Miele warnt ausdrücklich vor Beuteln mit einer „Halteplatte aus Pappe“, und auch der Blaue Engel prüft genau dieses Bauteil.
In der Praxis: vom Originaltyp zur Drogerieentsprechung
- Originaltyp bestimmen. Erst die Modell- oder Typennummer des Geräts, daraus der Originaltyp – etwa Miele FJM oder Bosch Typ G.
- Swirl-Code nachschlagen. Er ist die Drehscheibe: FJM entspricht Swirl M 50, Miele G/H/N/U entspricht M 40, Bosch Typ G, G Plus und GXL entsprechen S 67. Die Systematik der Swirl-Reihen steht in der Übersicht der Swirl-Typen.
- Über den Swirl-Code in die Handelsmarke übersetzen. Swirl M 50 führt laut Typenfinder zu VIVESS V06, EDEKA E04, Rossmann R010 und dm PR10.
- Im Laden gegenprüfen. Auf der Packung steht meist eine eigene Kompatibilitätsliste. Stimmt sie mit Ihrem Gerätetyp überein, haben Sie zwei unabhängige Belege.
- Nach dem ersten Kauf einmal kontrollieren. Rastet die Halteplatte sauber ein? Schließt der Beutel beim Herausziehen? Sitzt nichts schief, ist der Typ richtig.
Der häufigste Fehler dabei: aus einer Zahlenähnlichkeit auf Passung zu schließen. R020 und R030 unterscheiden sich um eine Ziffer, führen aber zu völlig verschiedenen Gerätewelten – die eine zu Bosch und Siemens, die andere zu AEG und Electrolux.
Häufige Fragen
Sind Handelsmarken dieselben Beutel wie Markenware, nur anders bedruckt?
Das ist nicht belegt. Der Typenfinder sagt aus, dass ein VIVESS-Typ einem Swirl-, EDEKA-, Rossmann- und dm-Typ entspricht – das ist eine Aussage zur Passform und Größe, nicht zur Herkunft aus derselben Produktion. Wer wissen will, aus welchem Material ein Handelsmarkenbeutel besteht, findet dazu in den Primärquellen der Ketten keine Angabe.
Kosten Handelsmarken tatsächlich weniger?
Für die Eigenmarken selbst liegen uns keine tagesaktuellen Stückpreise vor. Belegt ist die Preisspanne des Gesamtmarkts: Das Umweltbundesamt nennt in TEXTE 13/2020 für Staubsaugerbeutel in Deutschland 0,80 € bis über 3,00 € je Beutel bei rund 140 Millionen verkauften Beuteln pro Jahr und einem Marktwert von über 220 Millionen Euro. Zum Vergleich: Ein Original-Miele-Beutel kostete am 22.08.2026 3,99 €, ein kompatibler aus dem 20er-Pack 0,99 €.
Riskiere ich mit einer Handelsmarke meine Garantie?
Die Bosch-Klausel ist kausal formuliert – sie knüpft den Verlust daran, dass durch das Fremdteil „ein Defekt verursacht wird“. Ein pauschales „Fremdbeutel kosten die Garantie“ gibt sie falsch wieder. Zudem ist die Garantie nicht die gesetzliche Gewährleistung: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen schreibt (Stand 24.11.2025): „Die Gewährleistung ist gesetzlich geregelt und gilt gegenüber dem Verkäufer. … Die Garantie hingegen ist eine freiwillige Leistung – meist des Herstellers.“ Eine Rechtsberatung ist das nicht.
Woran erkenne ich einen schlecht gemachten Beutel?
An den zwei Bauteilen, die auch der Blaue Engel DE-UZ 211 prüft: Halteplatten-Abzugskraft und Schweißnahtfestigkeit. Miele warnt namentlich vor Halteplatten aus Pappe. Und im Test 2016 waren genau das die Ausfälle – undichte Beutel, ein Nahtriss, ein geplatzter Beutel.
Fazit
Handelseigenmarken sind keine eigene Produktklasse, sondern eine eigene Benennungsebene. Wer den Weg Gerät → Originaltyp → Swirl-Code geht, kann sie mit dem VIVESS-Typenfinder in beide Richtungen übersetzen: V01 zu Bosch und Siemens, V03 und V06 zu Miele, V04 zu AEG und Electrolux, V02 zur Philips-Größe. Was diese Ebene nicht liefert, ist Transparenz beim Material und bei der Filterleistung – hier sagen die Ketten deutlich weniger als die Gerätehersteller. Und die einzige unabhängige Prüfung, auf die man sich stützen könnte, stammt aus einem Einkauf vom Dezember 2015. Das ist zehn Jahre her, und es gehört jedes Mal dazugesagt.
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