Ein Saugroboter für Erdgeschoss und Obergeschoss klingt nach einer Selbstverständlichkeit – ist es aber nicht. Der Roboter muss mehrere Karten speichern, beim Absetzen erkennen, auf welcher Etage er steht, und ohne Station zurechtkommen, wenn dort keine steht. Genau an diesen drei Punkten scheitern günstige Geräte. Dieser Ratgeber erklärt, wie Mehretagen-Kartenspeicher technisch funktioniert, wie viele Karten die aktuellen Marken laut Herstellerangaben verwalten, wann sich stattdessen ein zweiter günstiger Roboter lohnt – und welche Folgekosten die doppelte Fläche verursacht.
- LiDAR ist Pflicht. Nur laserbasierte Navigation kann eine gespeicherte Karte zuverlässig wiedererkennen. Rein gyroskopische Modelle fahren auf jeder Etage von vorn – die Karte ist dann wertlos.
- Kartenanzahl laut Herstellerangaben: Roborock speichert bei aktuellen Modellen wie dem Saros 10 bis zu vier Karten, Dreame ebenfalls bis zu vier. Ältere Roborock-Modelle wie S5 Max, S6 und S4 speichern laut Roborock-Support zwar drei Karten, ausdrücklich aber nicht als Etagenkarten.
- Automatische Etagenerkennung gibt es bei Roborock laut smarthomeassistent ab S7 MaxV und Q7 Max. Bei Dreame muss die Karte vor dem Start manuell in der App umgeschaltet werden.
- Ohne Station auf der zweiten Etage gibt es dort kein automatisches Entleeren, kein Moppwaschen und kein Nachfüllen. Das ist der am häufigsten unterschätzte Punkt.
- Die doppelte Fläche bedeutet ungefähr die doppelten Folgekosten – Bürsten, Filter und Beutel verschleißen nach Betriebszeit, nicht nach Kalender.
Unsere Empfehlung für Häuser mit zwei oder drei Etagen:
Speichert laut Hersteller bis zu vier Karten und erkennt beim Absetzen selbstständig, auf welcher Etage er steht – dazu 22.000 Pa, einfahrbarer Laserturm mit nur 7,98 cm Bauhöhe und eine Station mit Heißwasserwäsche. Die zuverlässigste Wahl, wenn der Roboter täglich zwischen den Stockwerken pendeln soll.
Für wen sich ein Mehretagen-Roboter eignet
Das offensichtliche Szenario ist das Einfamilienhaus mit Wohnbereich unten und Schlafzimmern oben. Der zweite, häufiger übersehene Fall ist die Maisonettewohnung oder eine Wohnung mit ausgebautem Dachgeschoss. Und der dritte: Wer eine Wohnung und ein Homeoffice im selben Gebäude hat, nutzt oft denselben Roboter für beide.
In allen Fällen gilt derselbe Realitätscheck: Sie müssen den Roboter tragen. Kein Saugroboter fährt Treppen. Aktuelle Geräte wiegen zwischen etwa 3,5 und 5 kg – das ist machbar, aber es ist eine tägliche Handlung, die Sie im Alltag auch wirklich durchziehen müssen. Wer weiß, dass er das nach zwei Wochen sein lässt, fährt mit zwei günstigen Robotern besser als mit einem teuren.
Wichtig ist außerdem die Absturzsicherung. Alle namhaften Modelle haben Infrarot-Absturzsensoren an der Unterseite und erkennen Treppenstufen zuverlässig. Kritisch wird es nur bei dunklen, stark lichtschluckenden Oberflächen und bei verschmutzten Sensoren – deshalb gehört das Abwischen der kleinen Sensorfenster in jeden Wartungsdurchgang, wenn ein offener Treppenabgang im Fahrbereich liegt.
Worauf du beim Kauf achten solltest
1. Navigation: LiDAR ist die Grundvoraussetzung
Ein Mehretagenroboter muss sich beim Einschalten in einer gespeicherten Karte wiederfinden – Fachbegriff Relokalisierung. Das funktioniert nur, wenn der Roboter die Raumgeometrie messen kann. Laserbasierte Modelle drehen sich nach dem Absetzen einmal, vergleichen die Wandabstände mit den gespeicherten Karten und wissen dann, wo sie sind. Kamerabasierte Systeme können das ebenfalls, sind aber lichtabhängig. Rein gyroskopische Geräte, wie sie in der Klasse unter 200 Euro üblich sind, können es grundsätzlich nicht.
2. Anzahl der Karten – und ob sie wirklich Etagenkarten sind
Hier lohnt sich der genaue Blick, weil zwei verschiedene Dinge „Karte“ heißen. Roborock dokumentiert für ältere Modelle wie S5 Max, S6 und S4 im Support-Bereich drei speicherbare Karten und schreibt ausdrücklich dazu, dass es sich dabei nicht um Karten für verschiedene Etagen handelt. Aktuelle Modelle können das dagegen: Für den Saros 10 nennt der Hersteller vier speicherbare Karten. Dreame gibt für seine aktuellen Geräte ebenfalls bis zu vier Karten an. Bei Ecovacs findet sich in den offiziellen FAQ keine belastbare Zahl – Mehretagenkarten werden unterstützt, die genaue Obergrenze ist modellabhängig und nicht sauber dokumentiert. Das ist eine echte Datenlücke, die Sie vor dem Kauf beim Händler oder Support klären sollten.
3. Automatische Erkennung oder manuelles Umschalten?
Das ist der Unterschied zwischen Komfort und Ärgernis. Laut smarthomeassistent erkennen Roborock-Modelle ab S7 MaxV und Q7 Max selbstständig, dass sie auf einer anderen Etage stehen, und wechseln die Karte auf dem App-Startbildschirm automatisch. Bei Dreame beschreibt dieselbe Quelle den umgekehrten Weg: In der Dreame-Home-App muss man die Etage auswählen und mit „Diese Karte verwenden“ bestätigen, bevor der Roboter startet. Vergisst man das, fährt der Roboter mit der falschen Karte los und legt im ungünstigsten Fall eine neue an.
4. Was ohne Station passiert
Der praktisch wichtigste Punkt. Steht die Station im Erdgeschoss und der Roboter arbeitet oben, entfallen dort automatisches Entleeren, Moppwäsche und Wassernachfüllen. Der 270 bis 310 ml große Staubbehälter im Roboter reicht typischerweise für 60 bis 100 m² Hartboden, der 70 bis 80 ml kleine Wassertank je nach Wischintensität für 40 bis 80 m². Danach ist Schluss, und der Roboter parkt ohne Ladestation dort, wo der Akku leer wurde. Manche Hersteller bieten Ersatz-Ladestationen als Zubehör an – ob das für Ihr Wunschmodell gilt und ob die Zweitstation auch die Wisch- und Absaugfunktionen hat, sollten Sie vor dem Kauf klären.
5. Bauhöhe und Kartenpflege
Zwei Etagen bedeuten meist zwei unterschiedliche Möbelsituationen. Eine flache Bauform – aktuelle Spitzenmodelle liegen bei 7,95 bis 8,9 cm mit eingefahrenem Laserturm – zahlt sich aus, wenn im Obergeschoss Betten und Kommoden mit geringer Bodenfreiheit stehen. Und planen Sie ein, dass jede Etage einmal separat kartiert und danach in Räume aufgeteilt werden muss; No-Go-Zonen vor Treppenabgängen setzen Sie am besten sofort.
Die Modelle im Vergleich
| Modell | Navigation | Karten / Etagenwechsel | Preisklasse |
|---|---|---|---|
| Roborock Saros 10 | LiDAR (einfahrbar) + KI-Hinderniserkennung | 4 Karten, automatische Erkennung | ca. 1.100–1.500 € |
| Roborock Qrevo S | LiDAR, ohne Kamera | Mehrkartenverwaltung, automatische Erkennung | ca. 420 € |
| Dreame Matrix10 Ultra | LiDAR (einfahrbar) | bis 4 Karten, Umschaltung in der App | ca. 800–1.100 € |
| Dreame X50 Master | LiDAR (einfahrbar) | bis 4 Karten, Umschaltung in der App | ca. 850 € |
| Ecovacs Deebot T50 Max Pro Omni | LiDAR im Gehäuse + AIVI 3D | Mehretagenkarten, Anzahl nicht offiziell dokumentiert | ca. 470–600 € |
Ehrliche Einordnung: Die Kartenverwaltung ist ein Software-Thema, und Software ändert sich mit jedem Firmware-Update. Die hier genannten Zahlen sind der dokumentierte Stand – keine Garantie. Wenn Ihr Haus drei Etagen plus Keller hat, sind Sie mit vier Karten am Limit. Und noch etwas zur Einordnung der Saugleistung: Die Pa-Angaben der Hersteller werden nach unterschiedlichen Verfahren ermittelt und sind zwischen den Marken nur begrenzt vergleichbar. Für Mehretagenbetrieb ist die Navigationsqualität ohnehin wichtiger als die letzten 5.000 Pa.
Bei homeandsmart mit 93 von 100 Punkten bewertet und für rund 420 Euro zu haben – ohne Kamera, was viele im Schlafzimmer sogar bevorzugen. Die ehrlichere Lösung, wenn Sie den Roboter sonst täglich die Treppe hochtragen müssten: zwei Geräte mit eigener Station statt eines, das ständig umzieht.
Was der Mehretagenbetrieb im Betrieb kostet
Die Rechnung ist unromantisch: Verschleißteile altern nach Betriebsstunden. Wer 80 m² im Erdgeschoss und 70 m² im Obergeschoss reinigen lässt, verdoppelt praktisch die Laufleistung – und damit auch die Kosten für Hauptbürste, Seitenbürsten, Filter und Wischpads. Aus dem Roborock-S8-Handbuch, der einzigen sauber quantifizierten Herstellerquelle der Branche, stammen die Intervalle: Hauptbürste alle 6 bis 12 Monate, Seitenbürste und Filter alle 3 bis 6 Monate, Wischtücher alle 3 bis 6 Monate. Bei doppelter Fläche landen Sie zuverlässig am unteren Ende dieser Spannen.
Konkret bedeutet das: Statt der 76 bis 152 Euro pro Jahr für ein Einsteigergerät ohne Station in einer 80-m²-Wohnung sollten Sie im Zweietagen-Haus mit Absaugstation eher mit 200 bis über 400 Euro jährlich rechnen, wenn Sie durchgehend Originalteile kaufen. Der größte Einzelposten bleibt der Staubbeutel mit 45 bis 130 Euro – und der wird bei doppelter Fläche entsprechend schneller voll. Die komplette Aufschlüsselung mit drei Beispielhaushalten steht in Was ein Saugroboter pro Jahr wirklich kostet. Wer diesen Posten drücken will, findet in Universal-Staubbeutel: was wirklich passt die belegbaren Alternativen zum Original.
Zwei Etagen bedeuten außerdem mehr Wartungspunkte: Der Roboter fährt über mehr unterschiedliche Böden, sammelt mehr Haare an den Lagerenden der Hauptbürste und braucht häufiger eine Sensorreinigung – gerade die Absturzsensoren, wenn ein Treppenabgang im Fahrbereich liegt. Alle Intervalle in einer Übersicht finden Sie im Wartungsplan für Saugroboter.
Häufige Fragen
Wie erstelle ich die Karte für die zweite Etage richtig?
Tragen Sie den Roboter nach oben, schalten Sie in der App auf eine freie Kartenposition um und starten Sie eine reine Kartierungsfahrt – die meisten Apps bieten dafür einen Schnellkartierungsmodus ohne Saugen. Vorher aufräumen und alle Türen öffnen: Ein Raum, der beim ersten Durchgang geschlossen war, fehlt danach in der Karte. Anschließend Räume benennen, No-Go-Zonen vor Treppen setzen und die Karte speichern.
Der Roboter erkennt die Etage nicht – was tun?
Setzen Sie ihn immer an einer möglichst charakteristischen Stelle ab, idealerweise dort, wo im Original die Ladestation steht oder in der Nähe markanter Wände. In sehr ähnlich geschnittenen Etagen – klassischer Fall beim Reihenhaus – kann die Relokalisierung scheitern, weil die Grundrisse fast identisch sind. Dann bleibt nur das manuelle Umschalten in der App vor jedem Start.
Lohnen sich zwei günstige Roboter statt eines teuren?
In vielen Haushalten ja. Zwei Geräte für je rund 400 Euro haben zusammen den Preis eines Spitzenmodells, dafür aber je eine eigene Station, keinen Trageaufwand und keine Kartenprobleme. Die Nachteile: zwei Stationen belegen Stellfläche, und die Folgekosten laufen doppelt. Für Häuser, in denen ohnehin täglich beide Etagen gereinigt werden sollen, ist es trotzdem meist die praktischere Lösung.
Bleibt die Karte nach einem Firmware-Update erhalten?
In der Regel ja, garantiert ist es nicht. Alle großen Apps bieten eine Sicherungs- oder Wiederherstellungsfunktion für Karten – nutzen Sie die, bevor Sie ein größeres Update einspielen. Wer einmal eine über Wochen gepflegte Karte mit Raumaufteilung, Bodenbelägen und No-Go-Zonen verloren hat, macht diesen Fehler kein zweites Mal.
Fazit: unsere Empfehlung
Für den Mehretagenbetrieb zählen drei Dinge, und Saugleistung gehört nicht dazu: zuverlässige LiDAR-Navigation, genügend Kartenplätze und eine automatische Etagenerkennung. Unsere Empfehlung ist deshalb der Roborock Saros 10 – vier Karten, automatische Erkennung und eine Bauhöhe, die auch im Schlafzimmer unter das Bett passt. Wer die Treppe nicht täglich mit einem Roboter unterm Arm hochsteigen will, fährt mit zwei Geräten besser und nimmt für die zweite Etage den deutlich günstigeren Roborock Qrevo S.
Was Sie in jedem Fall vermeiden sollten: ein Gerät ohne Laser für mehrere Etagen. Es wird auf jeder Etage neu kartieren, Räume nicht wiedererkennen und die Selektivreinigung einzelner Zimmer unmöglich machen. Eine Übersicht der Modelle, die in aktuellen Tests generell vorn liegen, finden Sie unter Der beste Saugroboter; wer sich speziell im Roborock-Programm orientieren möchte, findet die Serienübersicht unter Roborock: welches Modell passt.
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