Roomba war jahrelang das Synonym für Saugroboter – und ist seit Dezember 2025 die Marke mit der kompliziertesten Vorgeschichte im Regal. iRobot hat Insolvenz angemeldet und gehört seit Januar 2026 dem bisherigen Auftragsfertiger Picea Robotics. Gleichzeitig ist das Modellprogramm so groß wie nie: von einem 24,5 Zentimeter kleinen Roomba Mini bis zum Max 775 Combo mit Wischwalze und Heißwasserstation. Dieser Ratgeber sortiert die Modelle, die 2026 in Deutschland tatsächlich lieferbar sind, erklärt das neue Namensschema und sagt offen, was die Eigentümerwechsel-Geschichte für jemanden bedeutet, der heute kauft. Wir testen nicht selbst – wir werten aus, was Hersteller und unabhängige Testredaktionen veröffentlichen.
- iRobot hat am 15. Dezember 2025 Chapter-11-Insolvenz angemeldet. Die Übernahme durch den chinesischen Fertigungspartner Picea Robotics (gemeinsam mit dem Investor Santrum) wurde am 26. Januar 2026 abgeschlossen. Der Geschäftsbetrieb, App-Dienste und die Ersatzteilversorgung laufen weiter.
- Für Käufer heute heißt das: Die zweijährige Herstellergarantie und Ihre gesetzliche Gewährleistung gegenüber dem Händler bestehen weiter. Das Risiko liegt nicht bei der Hardware, sondern langfristig bei Cloud und App.
- Das Namensschema hat sich 2025 komplett geändert: dreistellige Zahlen (105, 205, 405, 505, 705, 715, 775) plus Zusatz Vac (nur saugen) oder Combo (saugen und wischen). Die alten i-, j- und s-Serien laufen aus.
- Alle neuen Modelle navigieren per LiDAR – ein echter Bruch mit der alten kamerabasierten iRobot-Philosophie und der wichtigste technische Fortschritt der Reihe.
- Pa-Angaben sind reine Herstellerwerte. Dass iRobot innerhalb eines Jahres von 7.000 Pa (Plus 505) auf 30.000 Pa (Max 775) springt, sagt mehr über Messverfahren und Marketing aus als über echte Reinigungsleistung.
Unsere Empfehlung für die meisten Haushalte, die einen Roomba mit Wischfunktion und selbstreinigender Station wollen:
Die runde Mitte des aktuellen Programms: ClearView-Pro-LiDAR, zwei rotierende DualClean-Wischpads mit SmartScrub-Schrubbmodus und eine AutoWash-Station, die Staub entleert sowie die Pads wäscht und trocknet. UVP 799 €, im Handel regelmäßig deutlich darunter.
Die Insolvenz von iRobot – was heute wirklich gilt
Der Ablauf in Kurzform: iRobot meldete am 15. Dezember 2025 in den USA Chapter 11 an – ein Verfahren zur Sanierung unter Gläubigerschutz, nicht die Zerschlagung. Auslöser war eine Kette aus dem geplatzten Amazon-Kauf, rund 190 Millionen US-Dollar Schulden, hartem Preisdruck durch chinesische Wettbewerber und US-Einfuhrzöllen. Übernommen hat das Unternehmen Picea Robotics aus Shenzhen – der Auftragsfertiger, der die Roombas ohnehin baut – zusammen mit dem Investor Santrum. Am 26. Januar 2026 war die Übernahme abgeschlossen. Die Altaktionäre gingen dabei leer aus, der operative Betrieb läuft weiter, das Entwicklungszentrum in Bedford (Massachusetts) besteht fort.
Was bedeutet das konkret für Sie als Käufer? Drei ehrliche Punkte:
- Garantie und Gewährleistung. iRobot gewährt weiterhin zwei Jahre eingeschränkte Herstellergarantie. Wichtiger für Sie: Ihre gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren richtet sich gegen den Händler, bei dem Sie kaufen, nicht gegen den Hersteller. Wer über Amazon oder einen deutschen Fachhändler kauft, hat also einen Ansprechpartner, der von der US-Insolvenz unberührt ist. Für Deutschland und Österreich läuft der Fachhandelsvertrieb über den Exklusivdistributor Witt.
- App und Cloud. Das ist der Punkt, den man nicht kleinreden sollte. Nach Unternehmensangaben laufen App-Funktionen, Cloud-Dienste und Kundenservice unverändert weiter; für den Datenschutz wurde mit „iRobot Safe“ eine eigene US-Einheit geschaffen, die ausdrücklich auf EU- und UK-Standards ausgerichtet ist. Eine Garantie für die nächsten zehn Jahre ist das nicht. Falls Cloud-Server irgendwann abgeschaltet würden, ließen sich die meisten Roombas weiterhin per Taste starten – aber Karten, Zeitpläne und Zonen wären weg.
- Ersatzteile. Hier ist die Lage am entspanntesten. Picea hat die Geräte schon vorher produziert, die Zulieferkette bleibt also dieselbe. Dazu kommt ein großes Drittanbieter-Sortiment für Roomba-Bürsten und Roomba-Filter, das unabhängig vom Hersteller existiert.
Unser Fazit dazu: Ein Roomba ist 2026 kein fahrlässiger Kauf, aber auch keine Marke mehr, die man wegen ihrer Stabilität wählt. Wer sich vor allem an der App-Zukunft stört, findet bei Roborock, Dreame oder Xiaomi vergleichbare Technik ohne diese Fußnote – siehe unsere Markenübersicht.
Für wen sich ein Roomba eignet
Die neuen Modelle sind ausgesprochen unkompliziert. Die App ist aufgeräumt, die Einrichtung dauert Minuten, und die Geräte fahren in ordentlichen Bahnen statt in Zufallsmustern – was für lange Zeit der größte Kritikpunkt an iRobot war. Wer ein Gerät sucht, das ohne Konfigurationsabende funktioniert, ist hier gut aufgehoben.
Klare Stärken sehen Testredaktionen bei der Wartungsarmut: Die Doppelwalzen aus Gummi verheddern deutlich weniger mit Haaren als klassische Borstenbürsten, und die Stationen nehmen einem Entleeren und Padwäsche ab. Ebenfalls stark: der Roomba 205 DustCompactor, der den Staub im Gerät mechanisch presst und laut Hersteller bis zu 60 Tage ohne Entleeren auskommt – ganz ohne sperrige Station und ohne Beutelkosten.
Weniger geeignet ist die Marke, wenn Sie viel Hochflorteppich haben oder maximale Hinderniserkennung brauchen. In Praxistests fällt regelmäßig auf, dass die günstigeren LiDAR-Modelle (405, 505) kleine Objekte wie Kabel und Socken schlechter erkennen als die alten Kameramodelle der j-Serie. Diese Fähigkeit kostet bei Roomba inzwischen Aufpreis: Erst ab den Modellen mit „PrecisionVision“-Kamera ist sie wieder an Bord.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Das Namensschema verstehen. Die dreistellige Zahl steht für die Ausstattungsklasse – je höher, desto mehr Station und Sensorik. Vac heißt: saugt nur. Combo heißt: saugt und wischt. Plus und Max markieren die höheren Stationen (AutoWash statt AutoEmpty). Die 2026er Generation trägt die Endziffer 5 statt 05 – also 415, 515, 575, 715, 775.
Navigation. Alle aktuellen Roombas nutzen ClearView-LiDAR. Die Pro-Variante in Max 705/715/775 und Plus 575 kombiniert das mit einer Kamera und KI-Objekterkennung. Wenn bei Ihnen Kabel, Spielzeug oder ein Haustier im Weg liegen, ist das der entscheidende Aufpreis.
Wischsystem. Drei Bauarten stehen nebeneinander: einfaches Pad am Heck (105, 205), zwei rotierende Pads mit Anpressdruck (405, 505, 515, 575) und die PowerSpin-Wischwalze mit Dauer-Frischwasser und motorisierter Abdeckung (Max 705/775). Die Walze ist technisch das Beste, was iRobot je gebaut hat – und teuer.
Station und Bauhöhe. AutoEmpty entleert nur Staub, AutoWash wäscht zusätzlich die Pads mit Heißwasser und trocknet sie. Bauhöhen liegen zwischen 8,35 cm (Plus 515) und 10,5 cm (Max 705 Combo) – messen Sie unter Sideboard und Bett nach, bevor Sie sich für ein Topmodell entscheiden.
Die Roomba-Modelle im Vergleich
| Modell | Navigation | Station | Preisklasse (UVP) |
|---|---|---|---|
| Roomba Mini | LiDAR, 24,5 cm Durchmesser | AutoEmpty | 399 € |
| Roomba 105 Combo | ClearView LiDAR | Ladeschale oder AutoEmpty | 299–399 € |
| Roomba 205 DustCompactor Combo | ClearView LiDAR | keine – Staubverdichter im Gerät | 449 € |
| Roomba Plus 505 Combo | ClearView Pro LiDAR | AutoWash (Pads waschen + trocknen) | 799 € |
| Roomba Plus 515 Combo | ClearView LiDAR | AutoWash, 60 °C | 599 € |
| Roomba Max 705 Vac | LiDAR + Kamera | AutoEmpty | 699 € |
| Roomba Max 775 Combo | ClearView Pro LiDAR + PrecisionVision | AutoWash, Heißwasser-Wischwalze | 799–899 € |
Die ehrliche Einordnung dazu: Die Preisschilder sind bei Roomba nur noch die halbe Wahrheit. Der Plus 405 Combo etwa steht mit 699 € UVP in der Liste, war aber im Handel schon für rund 250 bis 420 € zu haben – ein Nebeneffekt der Neuordnung und der kurzen Modellzyklen. Prüfen Sie vor dem Kauf immer den Straßenpreis. Und bedenken Sie: Modelle, die durch die 2026er Generation (415, 515, 575, 715, 775) ersetzt werden, sind Auslaufmodelle. Das ist beim Preis ein Vorteil und bei der Zubehörversorgung in fünf Jahren ein kleines Risiko.
Der Preis-Tipp für alle, die keine Station brauchen und den Roboter einfach nur zuverlässig fahren lassen wollen:
Für kleine bis mittlere Wohnungen mit viel Hartboden: LiDAR-Navigation, 120 Minuten Laufzeit, SmartScrub-Wischmodus – ohne teure Station und ohne laufende Beutelkosten. testberichte.de vergibt in seiner Auswertung die Gesamtnote 1,9.
Was ein Roomba im Betrieb kostet
Der Anschaffungspreis ist bei Roomba selten das Problem – die Folgekosten sind es, sobald eine Station im Spiel ist. Die konkreten Originalpreise: Staubbeutel im Dreierpack kosten 19,99 € für die klassische Clean Base und 15,99 € für die neuen AutoEmpty- und AutoWash-Docks. Der Filtersatz 4624876 liegt bei 29,99 € für drei Stück, ein Satz Gummiwalzen bei 34,99 bis 39,99 €.
Grob gerechnet für ein Combo-Modell mit AutoWash Dock und normaler Nutzung: sechs bis acht Staubbeutel, zwei bis drei Filter, ein Walzensatz, ein Satz Wischpads und Reinigungsmittel – mit Originalteilen landen Sie bei rund 110 bis 160 € im Jahr. Mit Drittanbieterteilen fällt das etwa auf die Hälfte, denn Filter gibt es dort für 1,50 bis 3 € pro Stück und Bürstensätze für 12 bis 20 €. Details und Teilenummern stehen in unseren Ratgebern zu Roomba-Staubbeuteln und Roomba-Filtern; die vollständige Rechnung über alle Marken hinweg finden Sie unter Saugroboter-Folgekosten.
Wer diese Posten vermeiden will, sollte sich den 205 DustCompactor ansehen: kein Beutel, keine Station, dafür ein Verdichter im Gerät. Über fünf Jahre gerechnet ist das der günstigste Roomba im Unterhalt.
Häufige Fragen
Funktioniert mein Roomba weiter, wenn iRobot verschwindet?
Ja, in der Grundfunktion. Reinigen per Tastendruck an Gerät oder Station braucht keine Cloud. Was an einer Serverabschaltung hängen würde, sind App-Steuerung, gespeicherte Karten, Zeitpläne, Sperrzonen und Sprachassistenten. Aktuell laufen diese Dienste nach Unternehmensangaben unverändert weiter – die Übernahme durch Picea war ausdrücklich darauf angelegt, den Betrieb fortzuführen.
Lohnt sich noch ein Gerät der alten i-, j- oder s-Serie?
Nur zu deutlich reduzierten Preisen. Die alten Serien navigieren rein kamerabasiert und arbeiten dadurch weniger systematisch als die neuen LiDAR-Modelle. Ihr Vorteil ist die gute Objekterkennung der j-Serie. Ersatzteile sind für diese Baureihen noch breit verfügbar, auch von Drittanbietern.
Welcher Roomba ist der richtige bei Tierhaaren?
Wichtiger als die Pa-Zahl sind zwei Dinge: die Doppelwalze aus Gummi, die iRobot in allen aktuellen Modellen verbaut und die Haare kaum aufwickelt, sowie eine Station mit Beutel, damit Sie den Staub nicht in einer Staubwolke entleeren. Damit sind Plus 505/515 oder Max 705 die passenden Klassen.
Roomba oder Roborock/Dreame?
Rein technisch bieten die chinesischen Wettbewerber in derselben Preisklasse oft mehr: höhere Kletterfähigkeit, ausfahrbare Wischarme, Heißwasser bis 80 °C. Roomba punktet mit einfacher Bedienung, ordentlicher Verarbeitung und einem sehr gut erschlossenen Ersatzteilmarkt. Eine Übersicht der Alternativen bietet unser Ratgeber zu den Saugroboter-Testsiegern.
Fazit: unsere Empfehlung
Für die meisten Haushalte ist der Roomba Plus 505 Combo der stimmigste Kompromiss: LiDAR mit Pro-Sensorik, zwei rotierende Wischpads und eine Station, die Staub entleert sowie Pads wäscht und trocknet – zu einem Straßenpreis, der regelmäßig deutlich unter der UVP liegt. Wer knapp kalkuliert oder eine kleine Hartbodenwohnung hat, fährt mit dem Roomba 105 Combo genauso sauber und spart sich die laufenden Beutelkosten komplett. Wer das Maximum will und viel Hartboden feucht gereinigt haben möchte, nimmt den Max 775 Combo mit der beheizten PowerSpin-Walze.
Und der ehrliche Schlusssatz: Kaufen Sie einen Roomba, weil Ihnen die Bedienung und die Wartungsarmut gefallen – nicht, weil die Marke „sicher“ wäre. Diese Sicherheit hat iRobot im Dezember 2025 verloren. Die Hardware, die Garantie und die Ersatzteile stehen dagegen auf solidem Grund.
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